Die Welt meines Kindes verstehen...Die Welt meines Kindes verstehen...

„Solche Situationen sind nicht ungewöhnlich und kommen in vielen Familien vor“, weiß Heike Bösche. Sie hilft Eltern, die einfach nicht mehr weiter wissen, nach der Marte-Meo-Methode. Das Besondere dieser Methode: Marte Meo richtet sich nach den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Eltern und Kinder und zeigt Wege, wie beide Seiten einander besser verstehen und somit besser kommunizieren können.

In der Praxis gestaltet sich das so: Die Familie wird in einer ganz alltäglichen Situation per Video aufgenommen. Der Marte-Meo-Experte erstellt eine ausführliche Videointeraktionsanalyse aller Beteiligten. Sie macht die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kommunikationsstrukturen aller Beteiligten sichtbar. Stärken werden erkannt, aktiviert oder entwickelt. Im Auswertungsgespräch mit Videobildern werden konkrete Einsichten und Möglichkeiten vermittelt, die das Ziel haben, entwicklungsunterstützendes Verhalten in kleinen Schritten zu trainieren. Die Familie wird, ihrem persönlichen Tempo angepasst, weiterhin begleitend unterstützt.

Im Fall der Familie Baumann machten die Bilder deutlich, welche Bedürfnisse Marie hat und woher die Wutanfälle rührten. Die Videoaufnahme zeigt die Familie in der Küche. Die 5-Jährige schmiert sich allein, wenn auch mit viel Mühe, ihr Brot. Stolz präsentiert sie es ihrem Vater, der sie lobt. Das Strahlen in Maries Gesicht spricht Bände und drückt aus, wie sehr die Tochter das Lob genießt und die Aufmerksamkeit ihrer Eltern braucht. Die Marte-Meo-Supervisorin, Heike Bösche, konnte den Eltern anhand der Videobilder erklären und auch demonstrieren, wie wichtig dies für Maries Zufriedenheit, ja sogar für ihr persönliches Glück ist. Die Eltern fingen an, Marie mehr zu beobachten, um ihre Welt und ihre Bedürfnisse näher kennenzulernen. Es wurde deutlich, dass die Tochter mehr Unterstützung zum Umsetzen der geforderten Aufträge brauchte. Die Eltern gaben Marie gerne diese Unterstützung, lobten sie häufiger und schraubten ihre persönlichen Anforderungen an sie etwas zurück, passten sich ihrer Geschwindigkeit an. Nach kurzer Zeit wurden ihre „Tobsuchtsanfälle“ weniger und ihr Zimmer an einigen Stellen ordentlicher.

„Die Bilder hatten eine enorme Wirkung auf uns und wir konnten besser nachvollziehen, dass Marie viel mehr Unterstützung braucht, um ihr Zimmer aufzuräumen, als wir dachten“, sagen die Eltern. „Sie konnte es nicht formulieren, sondern tobte aus Frust, nicht aus Bockigkeit. Uns ist gar nicht klar gewesen, wie sehr wir auf Marie eingehen können.“

 

 

 

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