Ein ungeborenes Kind braucht vor allem zwei Dinge, um sich fit fürs Leben nach der Geburt zu machen: Zeit zu reifen – optimal sind 37 bis 41 Schwangerschaftswochen – und eine genau auf seine Bedürfnisse abgestimmte Umwelt. Letztere findet es im Uterus der Mutter. Wenn Kinder die Gebärmutter zu früh verlassen, treten Probleme auf – am häufigsten betreffen diese die Lunge.
Beim Übergang ins Leben an der frischen Luft muss das Atmungsorgan ein wahres Meisterstück vollbringen: Es muss den Körper plötzlich komplett mit Sauerstoff versorgen, eine Aufgabe, die vorher die Mutter über die Plazenta übernommen hat. Wo vorher Fruchtwasser floss, muss jetzt Luft aus- und eingeatmet werden.
Damit sich die feinen Lungenbläschen nach der Geburt überhaupt entfalten können, bildet die Lunge ab der 23. Woche das so genannte Surfactant. Frühchen haben oft noch nicht genug Surfactant gebildet. Die Folge: Das schwammartige Lungengewebe setzt sich an manchen Stellen zusammen und die Lunge kann nicht genug Sauerstoff aufnehmen. Das Neugeborene hat Atemnot.
Von diesem so genannten Atemnotsyndrom (auch RDS oder respiratory distress syndrome genannt) sind insgesamt ein Prozent der Neugeborenen betroffen – bei den vor der 30. Schwangerschaftswoche geborenen Kindern sind es bis zu 50 Prozent. Helfen kann jetzt nur die zusätzliche Sauerstoffgabe über eine Nasensonde oder die künstliche Beatmung. Dabei kann auch künstliches Surfactant in die Lunge eingeträufelt werden.
Bei einigen Frühchen werden die Lungenveränderungen chronisch. Man spricht von einer bronchopulmonalen Dysplasie, kurz BPD. Bei der BPD hat die Lunge – auch durch die oft unumgängliche maschinelle Beatmung – narbige Veränderungen davongetragen, die dem Kind noch Monate oder sogar Jahre zu schaffen machen: Es neigt zu Atemwegsinfektionen, asthmaartigen Anfällen und benötigt evtl. noch längere Zeit zusätzlich Sauerstoff, etwa über eine Nasensonde. Behandelt wird die BPD durch eine kalorienreiche Ernährung – je schneller das Baby jetzt wächst, desto schneller wächst auch die Lunge. Medikamente zur Entwässerung oder auch Cortisonpräparate können unterstützend eingesetzt werden. Kommt es zu einer Verengung der Bronchien – etwa bei einem Infekt – so wird mit bronchienerweiternden Mitteln und auch mit cortisonhaltigen Präparaten inhaliert. So verletzlich die Lunge am Anfang des Lebens ist – sie hat einen Vorteil: Die Lungenbläschen können sich noch bis zum 8. Lebensjahr regenerieren. Für die Eltern heißt es deshalb: den Mut nicht sinken lassen und sich über jeden Zentimeter Wachstum – und jeden überstandenen Infekt – freuen.
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