Zirkus Bromimeo
Interview mit Gertraud Straubinger-Mielke, stellvertretende Leiterin der Kinder-Zirkuswelt im Bromerhof
Beim Betreten der Kinder-Zirkuswelt fällt gleich im Eingangsbereich ein selbst gemaltes Zirkusbild auf, welches die gesamte Wand bis unter die Decke schmückt. Links und rechts des hellen Flures gehen die Gruppenräume der Kinder ab. Auch sie tragen Namen wie: Clowns-, Magier-, Jongleure- oder Löwengruppe. Aus den Räumen dringt Lachen und Singen. Hinter einer Tür proben kleine Tiger und Elefanten ihren Auftritt, in einem anderen Raum üben die Akrobaten ein letztes Mal ihre Kunststücke. Überall herrscht fröhliche Aufregung. Heute ist der große Tag. Der Zirkus „Bromimeo“ öffnet seine Tore und die Kinder dürfen stolz ihren Eltern präsentieren, was sie während der vergangenen drei Wochen gelernt haben. Ihre eigene Zirkusshow!
Angeleitet wird das bunte Treiben von den Mitarbeiterinnen der Kinder-Zirkuswelt, die offenbar genauso viel Spaß haben wie die kleinen Künstler. Ihre stellvertretende Leiterin, Gertraud Straubinger-Mielke, findet trotz all der Vorbereitungen Zeit, uns noch einiges mehr über die Kinder-Zirkuswelt zu erzählen.
? Kinder-Zirkuswelt – das erwartet man ja nun nicht unbedingt in einer Klinik ...
Bei uns gibt es einiges, was man normalerweise nicht erwartet! Aber im Ernst: Im vorigen Jahr haben wir die Kurplanung umgestellt von individuellen Anreiseterminen auf feste Gruppenanreisen. So haben wir nun die Möglichkeit, wirklich auch drei Wochen in einer festen Gruppe etwas gemeinsam zu entwickeln. Das Thema „Zirkus“ zieht sich dabei wie ein roter Faden durch all unsere Aktivitäten. Höhepunkt ist zum Ende des Aufenthaltes die Aufführung des Zirkus Bromimeo. Die letzten Vorbereitungen hierfür bekommen Sie gerade hautnah mit.
?Wie kam es zu dem Namen Bromimeo?
Der Name Bromimeo setzt sich aus Bromerhof und Marte Meo zusammen. Marte-Meo wiederum heißt die Entwicklungs- und Erziehungsunterstützungsmethode, mit der wir hier im Bromerhof arbeiten. Übersetzt bedeutet Marte-Meo „aus eigener Kraft“, und das passt doch auch sehr schön auf das, was die Kinder hier mit ihrer eigenen Zirkusaufführung schaffen.
?Können Sie die Marte-Meo-Methode kurz erklären?
Marte Meo wird im Bromerhof zum einen in der Mutter-Kind-Therapie eingesetzt. Hier bieten wir ganz gezielte Unterstützungsprogramme zu Entwicklungs- und Erziehungsfragen an. Die Betrachtung kurzer, ganz alltäglicher Situationen im Videobild führt zu einem besseren Verständnis dessen, was dort gerade zwischen Mutter und Kind geschieht. Aufbauend auf diesem Verständnis können die Mütter ihr Verhalten viel leichter und besser auf die Bedürfnisse des Kindes ausrichten. „Ich sehe mein Kind mit ganz an deren Augen“ ist ein Satz, den wir sehr oft hören.
Hier im Kinderland prägt dieser positive Ansatz des „Dem Kind in seine Welt folgen – und aufbauend auf dem so gewonnenen Verständnis dem Kind die richtige Anleitung geben“ unsere Arbeit. Vor allem Kinder mit besonderen Anforderungen wie Hyperaktivität oder Integrationsschwierigkeiten profitieren davon besonders.
? Wie qualifiziert sind Ihre Mitarbeiter für diese Aufgabe?
Die Mitarbeiterinnen der Kinder-Zirkuswelt verfügen größtenteils über ihre Ausbildung hinaus über eine Weiterbildung zu Marte-Meo-Anwenderinnen. Sie erhalten regelmäßig ein externes Coaching durch eine lizenzierte Marte-Meo- Supervisorin, um ihre Arbeit kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu verbessern.
? Abschließend noch eine ganz andere Frage. Der Bromerhof nimmt als eine der wenigen Mutter-Kind-Kliniken auch Kinder unter drei Jahren auf. Funktioniert das denn?
Für Kinder, die noch über keinerlei Erfahrung mit Fremdbetreuung verfügen, ist es in der Tat schwieriger als für alte Kindergartenhasen, sich an die neue Situation in der Gruppe zu gewöhnen. Auch bei der liebevollsten Betreuung brauchen die Kinder – und auch die Mütter – mehr Zeit, um das Loslassen zu lernen. Wir versuchen, diese Abnabelung im Rahmen der Eingewöhnungsphase, in der die Mütter ihr Kind in die Kindergruppe begleiten, so sanft wie möglich zu gestalten. Es erfordert immer Geduld und Einfühlungsvermögen – von allen, die daran beteiligt sind.
Das bedeutet unter Umständen, dass eine Mutter ihre Therapiezeiten in den ersten Tagen darauf einstellen muss. Mütter sollten sich dessen bewusst sein, wenn sie eine Mutter-Kind-Maßnahme mit einem noch so kleinen Kind planen. Aber bisher haben wir es immer geschafft, dass sich alle bei uns wohlfühlen!
Vielen Dank für das Interview und noch weiterhin viel Erfolg und vor allem Freude an Ihrer Arbeit mit den Zirkuskindern!
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