Eine Handvoll Leben
40.000 Neugeborene kommen in Deutschland jährlich zu früh auf die Welt. Liegt das Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm, beginnt zumeist ein dramatischer Kampf um das Überleben des Frühchens. Dank des medizinischen Fortschrittes in den letzten 10 Jahren überstehen aber nahezu 90 Prozent diese schwere Zeit.
Für Eltern sind diese ersten Wochen nach der Geburt eine emotionale Achterbahnfahrt: Zuversicht, Verzweiflung, Sorge, Erschöpfung und Freude – all das geht an den Eltern nicht spurlos vorüber. In dieser Ausnahmesituation kommen Eltern an ihre physische und emotionale Belastungsgrenze. Doch für die Verarbeitung der Ereignisse, für körperliche oder seelische Erholung bleibt keine Zeit. Alles dreht sich um Lungenfunktion, Gewichtszunahme, Komplikationen und Entwicklung des kleinen Erdenbürgers, den man auf gar keinen Fall wieder verlieren will.
Nur wenige neonatalogische Stationen haben die Möglichkeit, den Eltern bei diesem Prozess durch psychologische Begleitung zu helfen. Die meisten Eltern nehmen das unverarbeitete traumatische Erlebnis zusammen mit ihrem Säugling mit nach Hause.
Die schwierige Situation bleibt auch nach der Entlassung des Frühgeborenen aus der Klinik bestehen. Die unsichere Entwicklungsprognose belastet Eltern und lässt medizinische Probleme wie Ernährungsstörungen und Infekte besonders kritisch erscheinen. Viele Familien benötigen in dieser äußerst schwierigen Situation Hilfe. Doch die Langzeitbetreuung von Frühgeborenen setzt den Schwerpunkt auf die medizinische Versorgung der Frühchen. Den psychosozialen Belastungen innerhalb der Familie und der Mutter-Kind- Interaktion wird im Allgemeinen recht wenig Beachtung geschenkt.
Die Fachklinik Bromerhof war die erste Klinik in Deutschland, die Rehabilitations- und Vorsorgemaßnahmen für Mütter oder Väter mit frühgeborenen Kindern anbot. Das familienorientierte Konzept hierzu wurde gemeinsam mit dem Bundesverband „Das Frühgeborene Kind e. V.“, der Kinderklinik Augsburg und dem Nachsorgeprojekt „Der Bunte Kreis e.V.“ erarbeitet.
Dem Therapiekonzept liegt das Levanische Prinzip zugrunde. Levana war die römische Schutzgöttin der Kinder. Ihr Name leitet sich von „levare“ ab und bedeutet befreien, annehmen, unterstützen, lindern.
Das Levanische Prinzip:
- Befreien
Aufarbeitung der traumatischen Zeit nach der Frühgeburt - Annehmen
Aufbau und Stabilisierung einer positiven Mutter-Kind-Interaktion - Unterstützen
Stärkung der Elternkompetenz - Lindern
Individuelle Therapie somatischer Beschwerden


